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Artikel 125 Jahre VBS

Artikel 125 Jahre Verein Berliner Segler e.V.

125 Jahre Verein Berliner Segler

Vor 125 Jahren konnte man in der Wassersportzeitschrift "Ahoi" die folgende Meldung lesen: Am 19 Dezember 1885 bildete sich aus der "Freien Vereinigung der Segelfreunde" ein neuer Seglerverein "Verein Berliner Segler". Zum 1. Vorsitzenden wurde der Kamerad Paul Schönwald gewählt Zu dieser Zeit registrierte das Wassersport-Almanach ca. 30 Segelvereine mit rund 600 Mitgliedern.

Der Verein hatte bei seiner Gründung 32 Mitglieder, zählte aber bereits 2 Jahre später 120 Mitglieder mit 42 Segelbooten, die den Zweck des Segelsports nicht allein nur in der Erholung, sondern auch in der Durchführung von Wettkämpfen sahen. So fand die erste Pokalregatta des Vereins am 15. Mai 1887 auf dem Müggelsee statt, unter lebhaftem Interesse von vielen "Sehleuten". Man hatte extra den Dampfer "Nixe" zur Begleitung gechartert. Zu Ostern und Pfingsten organisierte man gemeinsame Fahrten die Dahme aufwärts, konnte man doch die ganze Strecke dank der Zugbrücken in Köpenick und Schmöckwitz segeln.

Am 4. März 1888 wurde der VBS zur Gründungsveranstaltung des DSV nach Hamburg eingeladen. Die Mitgliedschaft im DSV wurde ihm jedoch verwährt, da der "Amateurstatus" auf Grund in Lohn arbeitender Mitglieder (z.B. als Handwerkern) nicht gegeben war.

Die Rummelsburger Bucht bei Stralau war die erste Heimat des Vereins. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung Berlins, in der Folge die Uferzonen weitgehend bebaut wurden und der zunehmende Verkehr auf der Spree, veranlassten unsere Vorfahren das Vereinsdomizil immer weiter am Rande der Stadt zu suchen. Über Grünau, Karolinenhof siedelte man nach Schmöckwitz um. Durch ständig steigende Pachtforderungen nährten den Gedanken zum Erwerb eines eigenen Grundstückes. Mehrere Projekte wurden in Erwägung gezogen. Schliesslich wurde der Kauf eines Grundstückes, bebaut mit einem Wohnhaus und einer Bootswerft möglich; und so konnte im März 1914 der Verein auf eigenem Grundstück in Rauchfangswerder seinen Stander hissen.

Trotz einschneidender Veränderungen des ersten Weltkrieges und seiner Folgen gehörte der VBS bald zu den führenden Vereinen im Regattasport, was sowohl die Teilnahme, als auch die Erfolge bei Regatten betraf. Ebenso erfolgreich betrieb man das Fahrtensegeln. So segelte man bis nach Lauterbach mit einer kleinen Wanderjolle und mit einem 45 qm Kreuzer wurden dänische und schwedische Häfen bis zum Eingang des Kattegatt angelaufen.

Das Vereinsgelände und die Einrichtungen wurden weiter gestaltet. Die ehemalige Bootsbauwerkstatt baute man zur Clubmesse um, deren Grundgestaltung bis heute erhalten ist.

Ende der zwanziger Jahre hatte der Verein 125 Mitglieder mit einem Bestand von 68 Segel- und 6 Motorbooten.

Der zweite Weltkrieg riss auch in den Kreis der Kameraden des VBS viele Lücken. Kameraden blieben im Krieg, andere wurden durch die Kriegswirren in andere Regionen verschlagen. Aber das Leben ging weiter- Bürger aus Rauchfangswerder und Zeuthen, aber auch Kameraden anderer Vereine, denen durch Besatzungsrecht der Sport verwert war, lies die Mitgliederzahl wieder ansteigen.

Die Teilung Deutschlands und Berlins hatte für den VBS unmittelbare Konsequenzen. Wie durch die sowjetische Besatzungsmacht verfügt, wurde auch der VBS in eine Betriebssportgemeinschaft umgewandelt und 1952 zur Sektion Segeln der Hochschulsportgemeinschaft der Hochschule für Ökonomie. Der Verein wurde 1951 enteignet, sein Gelände zum Volkseigentum erklärt. Die Mitglieder wurden vor die Alternative gestellt: Mitglieder der HSG Wissenschaft Karlshorst zu werden, oder den Verein zu verlassen. Das taten dann eine Reihe Kameraden, überwiegend mit Wohnsitz im damaligen Berlin-West. So wurde dort der Verein unter seinem alten Namen weitergeführt. Da es keinen eigenen Hafen gab, waren die Kameraden als Gastmitglieder hauptsächlich in Vereinen im Wettfahrtbezirk Tegel angesiedelt. U. a. war der VBS auch Ausrichter von Regatten auf diesem Revier. Das Weiterbestehen des Vereins in Westberlin erwies sich als wichtiges Argument in den Prozessen zur Rückübertragung des Grundstückes in Rauchfangswerder.

Aber das Vereinsleben ging auch im Ostteil der Stadt weiter. Im Fahrtensegeln war es in der Hauptsache die Binnenreviere, auf denen gesegelt wurde. Hauptsächlich waren es Wochenendfahrten zur Schmölde, Urlaubsfahrten zum Scharmützelsee und zur mecklenburgischen Seenplatte. Das Befahren der Küstengewässer war nach dem Bau der Mauer nur noch in "Ausnahmefällen" möglich (PM 18). Auch im Regattasport wurde eifrig gesegelt. Gestartet wurde bei der 20Std.-Wettfahrt, der Berliner Mannschaftsmeisterschaft, an Sonder- und Bezirksregatten sowie Berliner und Deutschen(DDR) Meisterschaften. Nach dem Motto: Dabei sein ist alles und wenn dann noch der Erfolg dazu kommt, ist es umso schöner.

Wir können auch auf eine lange Tradition als Ausrichter von Regatten verweisen, findet doch in diesem Jahr die 31 Kehrausregatta für XY- und z-Jollen statt.

Dem Charakter der Hochschulsportgemeinschaft entsprechend, wurde verstärkt das studentische Segeln gefördert. Staatlich gefördertes Bootsmaterial - Piraten und XY-Jollen - bildeten die Basis.

Im Wechsel wurden Hochschulvergleichskämpfe und Studenten-Meisterschaften in Berlin, Rostock, Greifswald, Potsdam und auf dem Wolziger See (DHfK-Leipzig) ausgetragen.

Mit Beginn der 70iger Jahre rückte verstärkt der Kinder- und Jugendsport in den Vordergrund. So segeln heute jahresbedingt ca. 25 Kinder und Jugendliche Laser, 420iger und Optimist. Mit der Trainingsgruppe in Greifswald finden jährlich wechselnd Trainingslager auf dem Greifswalder Bodden und dem Zeuthener See statt.

Grosses Engagement und Einsatz brachten die Mitglieder bei der Werterhaltung und Entwicklung des Vereinsgeländes auf. Neben der kontinuierlichen Erneuerung der Einrichtungen des Vereins gab es auch Rückschläge durch Witterungsunbilden. 1977 stürzte eine der Bootshallen unter einer gewaltigen Schneelast zusammen. Neben dem Verlust der Bootshalle hatten einige Kameraden auch den Totalschaden ihrer Boote zu beklagen. 1983 wurde durch Brandstiftung unsere Veranda vernichtet, weiteres Bootsmaterial ging verloren. Beides wurde mit viel Engagement und noch mehr Eigeninitiative der Mitglieder wieder aufgebaut. Gerade der Wiederaufbau der Veranda in der alten schönen Form als Holzbau mutete zu DDR-Zeiten, wo ja bekanntlich alles knapp war, wie ein kleines Wunder an.

Mit dem Fall der Mauer entstand eine neue Situation. Die Hochschule wurde abgewickelt, es gab die Hochschulsportgemeinschaft nicht mehr; aber es gab weiterhin die Segelkameraden und Kameradinnen, die entschlossen waren, ihre Gemeinschaft ihren Verein zu erhalten. So wurde aus der HSG Wissenschaft /Sektion Segeln wieder der "Verein Berliner Segler 1885". Aber es gab den "Verein Berliner Segler" ja in Berlin-West, der all die Jahre den VBS-Stander "hochgehalten hat". Die Kameraden hatten nicht vom Entschädigungsgesetz gebrauch gemacht, in der Hoffnung eines Tages in das alte Vereinsdomizil zurückkehren zu können. Also konnte die logische Konsequenz nur das Zusammenführen beider Vereine unter dem Stander des Verein Berliner Segler e.V sein. Allein der Weg war nicht einfach und es wurden viele Gespräche beider Vorstände geführt, bis am 7.12.1991 in einer gemeinsamen Mitgliederversammlung die Rückkehr des VBS in seine alte Heimstatt besiegelt werden konnte.

Bis aus der Heimstatt des VBS wieder das vereinseigene Seglerheim wurde, war ein Musterprozess gegen das "Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen" durch alle Instanzen der Verwaltungsgerichtsbarkeit zur Rückübertragung des Grundstückes notwendig. Am 27.6.1996 wurden wir endlich wieder rechtmässige Eigentümer unseres schönen Grundstückes.

Ein gutes Gefühl wieder zu Hause zu sein!!!

Aber auch in dem Hochgefühl des Erfolges blieben wir Realisten und erneuerten mit den von uns verauslagten Prozessgebühren unsere in die Jahre gekommene und dringendst sanierungsbedürftige Steganlage.

Seit dieser Zeit kann sich der Verein voll seiner eigentlichen Aufgabe widmen, eine Heimstatt für alle Segelfreunde zu sein. In diesem Sinne ist unser Verein offen für jeden Interessenten.

Am 12. Juni diesen Jahres wollen wir das Jubiläum mit einer Langstreckenregatta und einem sich daran anschließenden Sommerfest in unserem Verein in lockerer Atmosphäre begehen.

Dazu sind alle herzlichst eingeladen!